Buchtipp: Thomas Biasotto - GIANTS (fotointern.ch)

Urs Tillmanns, 24. November 2018, 13:14

UhrBuchtipp: Thomas Biasotto – Giants


Wenn wir auf einem Berggipfel stehen, kommen wir uns mächtig vor. Wir haben es geschafft, wir haben ihn bezwungen, diesen Berg. Stundenlang sind wir an Felswänden entlang, über Kämme und Schneefelder gewandert, bis wir endlich unser Ziel erreicht haben.

Aber die Giganten sind nicht wir, sondern es sind die mächtigen Berge, neben denen wir klein wie ein Staubkörnchen sind. Drei-, viertausend Meter erheben sie sich neben uns, mit schroffen Felswänden, zerklüfteten Einschnitten, faszinierenden Formationen und gefährlichen Abbrüchen. Es sind beeindruckende Wunder der Natur, die uns begeistern, die uns anlocken – wir, die wir diesem Ruf der Berge folgen.

Thomas Biasotto folgt diesem Ruf zeitlebens immer wieder. Berge haben ihn von jeher fasziniert, und so ist es nicht verwunderlich, dass sie für ihn zum fotografischen Dauerthema geworden sind. Für diese Fotografie der Berge betreibt Thomas einen gigantischen Aufwand. Rund zweieinhalb Tausend Kilometer zu Fuss sollen es gewesen sein und über 150 Touren in den ganzen Alpen, erklärt Thomas in seinem Vorwort, die ihn mit fantastischen Bildern entlohnt haben. Bilder, von jenen Giganten, die für unsere Landschaft und für unser Land typisch sind.

Das Buch ist mehr als nur ein Bildband von steinernen Kolossen. Thomas Biasotto hat mehr gesucht als nur Felsen und Klüfte. Während Stunden hat er auf eine bestimmte Lichtstimmung gewartet, hat Licht und Wolken und deren Lauf genau beobachtet, in der Hoffnung, es würde sich eine Stimmung ergeben, welche dem Berg noch das Sahnehäubchen aufsetzt. Oft war das Warten vergebens, weil der Wind die Wolken in eine andere Richtung trieb, weil ihm der plötzliche Wetterumschlag einen Strich durch die Rechnung machte – oft aber wurde Thomas belohnt mit einem einzigartigen Spiel von Licht und Schatten, das für seine Bilder charakteristisch ist. Hinzu kommen ein knappes Dutzend Bilder, bei denen der Sternenhimmel das Tüpfchen auf dem i sind, und für die wahrscheinlich eine besonders lange Wartezeit auf eine optimale Wetterlage erforderlich waren.

Die Bilder sind so vielfältig wie die Berge selbst: mal lieblich verspielt, mal hart und bedrohlich, dann wieder von Wolkenschwaden begleitet mystisch. Es sind Stimmungen, welche die «Giants» immer wieder in einem anderen Licht erscheinen lassen, Stimmungen, die den Komponisten Thomas Biasotto bei seinen langen Wartezeiten auf den besten Auslösemoment auch dazu angeregt haben, die passende Musik dazu zu schreiben. So ist zum Buch eine CD entstanden, die das Erlebnis der Giganten auch musikalisch wiedergibt und versucht jene Stimmung zu übermitteln, die Biasotto bei seinen Wanderungen erlebt hat. Die CD wird in einem 64-seitigen Booklet mit Bildern aus dem Buch in einem Schuber geliefert und ist ein ideales Begleitpräsent zum Buch.

Für wen ist dieses Buch? Für alle, welche die Berge lieben und diese Giganten in besonders stimmungsvollen und beeindruckenden Bildern erleben wollen – in Stimmungen, welche für den «normalen» Berggänger wahrscheinlich die Ausnahme bilden. Es ist ein beeindruckendes Werk, das natürlich als Geschenkband für Bergfreunde zu den bevorstehenden Weihnachten ideal ist. Oder auch einfach für einem selbst, um gelegentlich – begleitet von der passenden Musik auf der CD – in diese faszinierende Bergwelt abzutauchen.

Urs Tillmanns

https://www.fotointern.ch/archiv/2018/11/24/buchtipp-thomas-biasotto-giants/

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